Die Geschichte des Gasthofes zur Krone

Auf dem Parkplatz in der Dorfmitte stand bis in die 1950er Jahre das Gebäude der Gutacher Dorfschmiede, in dem seit dem Jahre 1841 auch die Wirtschaft zur „KRONE“ betrieben wurde.

Nach den Schreckensjahren des 30 jährigen Krieges (1618 bis 1648) – Gutachs Bevölkerung war von 800 auf 145 Einwohner geschrumpft – kamen die Menschen langsam wieder zu Wohlstand. So wurden u. a. in Gutach mit herzoglich-württembergischer Genehmigung zwei Schmiedewerkstätten gegründet, die spätere Baderschmiede 1662 und die Schmiede im Dorf 1668. Der erste Schmied der Dorfschmiede war Christian Künstlin, und dieser Name vererbte sich bis ins 19. Jahrhundert auf dem Anwesen vom Vater auf den Sohn.

Christian Künstlin: 1625 – 1691 Gründer der Schmiede
Christian Künstlin: 1663 – etwa 1730 erbaute 1696 ein neues Wohnhaus mit Schmiede
Christian Künstlin: 1722 – 1775 Schmied, Richter und Kronenwirt

Dieser Besitzer muß ein außergewöhnlich tüchtiger Mann gewesen sein: Er hat nicht nur einen Neubau aufgeführt, sondern im Jahre 1762 vom Herzog von Württemberg die Erlaubnis bekommen, in Gutach eine „Schildwirtschaft zur KRONE“ aufrichten zu dürfen.

Wer eine Schildwirtschaft betrieb, durfte Speisen verabreichen und Gäste beherbergen. Außer den Schildwirtschaften gab es sog. Gassenwirtschaften, in denen nur ausgeschenkt werden durfte und deren Konzession in der Regel an eine einzelne Person gebunden war.

Der o. g. Begründer der „KRONE“ hat – wie vier weitere damalige Gutacher Bürger – einen Anteil des sog. „Baumännischen Lehens“ ersteigert (eingegangener Hof im vorderen Sulzbach, „Höflihof“).


Christian Künstlin (1753 – 1784):

Kronenwirt; war verheiratet mit Regina Salomea, Baumännin, Tochter des Posthalters und Löwenwirts zu Hornberg. Diese heiratete nach dem Tod von Christian Künstlin einen Johannes Blum und nach dessen Tod 1789 den Schmiedemeister Michael Rapp, welcher 1833 starb. Der Sohn aus 1. Ehe übernahm die „KRONE“ mit Schmiede.

Christian Friedrich Künstlin (1776 – 1850):
Bürger und Kronenwirt; dessen Tochter Regina Künstlin heiratete 1825 Johannes Götz, Bürger, Metzgermeister und dann Kronenwirt (1801 – 1889). Der Vater von Johannes Götz war Conrad Götz, Gassenwirt bei der Säge.

Gasthaus Krone und Hammerwerk betreffend
(GB3 S. 248; Nummer 54 v. 28. März 1840):

Es verkaufen Christian Künstle und sein Tochtermann Johann Götz (Kronenwirt) an die Herren Christian Finkbeiner, Friedrich Eisele, beide Bürger von Freudenstadt, und Gotthilf Jakob Ramsperger, Schullehrer zu Friedrichsthal, ferner Andreas Adrion, Bürger von Freudenstadt, und Johann Bruckbacher, Schullehrer daselbst, ihr Wohnhaus an der Straße samt der Schmiede, Hammerwerk und dem dazu gehörenden Wasserrecht, sowie den vor einigen Jahren erbauten Stall, den Backofen… (und verschiedene Liegenschaften) für 7111 Gulden.

Aus den Kaufbedingungen ist wichtig: …8.) Wenn die Verkäufer ihr neu zu erbauendes Haus bewohnen, was längstens bis 1. April 1841 zu geschehen hat, so treten die Käufer in den völligen Besitz ihrer Kaufobjekte… (unterschrieben von Bürgermeister, Gemeinderat, Käufer und Verkäufer, sowie Ratschreiber Held).

Der heutige Gasthof zur „KRONE“ ist also 1840/41 erbaut worden. Die Hammerschmiede ging 1846 in den Besitz von Gottfried Proß aus Freudenstadt über, der 1885 in Gutach starb. Dessen Nachfolger war die Familie Neumaier…

Die weiteren Kronenwirte bis heute:

• Friedrich Götz von 1843 – 1893
• Hermann Götz von 1875 – 1938
• Hermann und Marie Götz (beide ledig gestorben) von 1938 – 1964
• Jakob und Helmut Moser von 1964 – 1982
• Anna Wolf und Stefan Lackner von 1982 – 1996
• Elfriede Lackner seit 1996 bis heute

Textquellen:
Ansgar Barth; Kirchenbücher, alte Grundbücher, weitere Archivalien aus dem Gemeindearchiv Gutach und dem Stadtarchiv Villingen

Das Dorf Gutach im Jahr 1813

Dernachfolgende  Original-Text stammt aus einem Archivar und wurde vor knapp 200 Jahren von einem Dekan verfasst. Interessant ist dabei, wie dieser die Gutacher Einwohner von damals beschreibt.

In der Ausführlichen Beschreibung der großherzoglich-badischen Diöces Hornberg beschrieb Dekan Ludwig das Dorf Gutach wie folgt:

“Gutach liegt zwischen Hornberg und Hausach und bestehet aus lauter zerstreuten Höfen und vielen Taglöhnerhütten. Das Tal, das bei Hornberg und gegen Triberg hin sehr schmal ist, verbreitert sich hier immer mehr und gewährt den Bewohnern mehr flaches Land zum Anbau.

Hier gedeihen schon alle Obstsorten recht gut, und eben die Obstkultur ist für die Gutacher beträchtlich, indem in manchem Jahr für mehr als 6000 Gulden an Kirschen, Äpfeln, Birnen und Quetschen meistens in die obere Gegend des Schwarzwaldes und nach Villingen und Donaueschingen verkauft werden. Die Bauern sind größtenteils wohlhabend und haben starke Viehzucht. Hier trifft man auch wieder Enten und Gänse an, und es wird schon Welschkorn gebaut, das man in Hornberg schon nicht mehr baut. Alle Getreidesorten sind hier viel kräftiger und die Körner größer als auf der Höhe. Das ganze Tal ist im Frühling sehr reizend und gleicht einem wahren englischen Garten. Der allgemeine Charakter des Volkes ist Gutmütigkeit gegen Fremde und unter sich; eigensinnige Anhänglichkeit an das Alte; Hang zur Wollust und bei den Hofbauern ein eigentümlicher Stolz.

Weil hier die Bauernhöfe nicht geteilt wurden und daher aus der Nachkommenschaft der Bauern eine sehr große Zahl Taglöhner hervorging, die nichts haben, so ist durch die letzteren der Diebstahl eingerissen, und diese Klasse hat den Charakter der Verschmitzheit angenommen. Die Heiligung des Sonntags wird von manchen wenig geachtet. Kirche, Pfarrhaus und das Hauptschulgebäude liegen beisammen mit noch ungefähr 15 anderen Wohnungen umgeben und bilden das Dörfchen Gutach. Eine Stunde talabwärts sind wieder eine Partie Wohnungen zusammengebaut und heißen das Dörfchen am Thurm. Die Pfarrei ist die angenehmste und bei den ebenen Wegen am leichtesten zu versehende Pfarrei.

Die Bewohner von Gutach-Hohweg müssen ihre Kinder zur Taufe nach Hornberg tragen und auch ihre Toten nach hier auf den Gottesacker führen. Die Hohweger sind mystisch-religiös und besuchen mit ihren Angehörigen fleißiger die Gottesdienste als die Stadtbewohner. Es herrscht unter ihnen noch sehr viel Aberglauben, bei vielen Trunksucht und Unzucht, und das Gefühl für Reinheit des Geistes ist bei ihnen noch in tiefem Schlafe. Die Bauern sind wohlhabend, die Gütleinsbesitzer müssen sich mühsam durchschlagen. Die Bauern sind auch ausschweifend und dummstolz. In den Bauernhütten herrscht die größte Unreinlichkeit, so daß ich noch nie einen Bissen Brot oder ein Glas Milch darin mit Appetit genießen konnte.”